Der Tod einer Facebook-Fanseite

Viele sind täglich in Facebook unterwegs, verstehen das Prinzip “EdgeRank” nicht und treiben ihre Fanseiten deswegen in den Tod.

Fan werden – Fan sein

Zwei Szenarien müssen unterschieden werden:

  1. der Moment, in dem jemand vor der Wahl steht, “Gefällt mir” zu klicken, und
  2. alles, was nach dem Fanwerden passiert.

Optimierung von (1), “Gefällt mir Moment”

Wichtig ist, die Fanseite mit genügend Informationen zu ergänzen, damit potentielle Fans genug Entscheidungskriterien und Anreiz haben, um den “Gefällt mir” Knopf zu drücken. Man soll sehen, um was es eigentlich geht – aber nicht überschwemmt werden mit Unmengen an Informationen, die vom Fanwerden ablenken.

Eine schöne Fanseite mit Ausbauten ist erst der Anfang und primär nur für diesen “Gefällt mir Moment” wichtig. Was Fans nachher sehen, ist das, was es auf die Facebook-Startseite (Neuigkeiten) schafft. Dafür kommt die Magie von EdgeRank ins Spiel.

Optimierung von (2), “das Leben als Fan”

EdgeRank ist die Formel von Facebook, die darüber entscheidet, ob Fans die Beiträge überhaupt sehen. Man kann tausende Fans haben und wirkungslos sein. Wer von Facebook wegen EdgeRank ausgeblendet wird, hat verloren.

Wie geht das? Facebook beobachtet alle Interaktionen der Fans und entscheidet damit, ob die veröffentlichten Inhalte interessant sind. Interagieren die Fans nie, so wird Facebook in Zukunft neue Beiträge den Fans nicht mehr zeigen.

Feedback-Raten – das Herz von EdgeRank

Anhaltspunkt ist die Feedback-Rate, die ihr unter jedem Beitrag in euerer Fanseite seht und die auch in der Fanseiten-Statistiken sichtbar ist. Ist diese Feedback-Rate unter 0.1%, so sollten Alarmglocken losgehen und die Kommunikation überprüft werden.

Oft ist das Problem, dass sehr unpersönlich und in Old-School-Marketingsprache geschrieben wird. Im Social Web uninteressant. Mehr Fragen stellen, antworten, interagieren ist angesagt – näher an die Fans ran.

Feedback-Raten um 0.4% sind einigermassen OK.

Ziel sollten 0.5% oder besser darüber sein. Die Dialoge sollten zum Thema der Fanseite passen. Man kann die Rate in die Höhe treiben, indem man ein iPad verlost – man sollte aber nicht. Man zieht so schlechte Fans an – solche, die nach der Verlosung nie mehr interagieren – und die Feedback-Rate in den Keller ziehen.

Nie, nie, nie Fans kaufen (ausser Echte)

Wir schalten praktisch immer eine Anzeigenkampagne beim Start einer neuen Fanseite – vor allem bei Marken, die schon Offline-Fans haben. Solche echten Fans will man schnell zu Facebook-Fans machen.

Dubiose Angebote, innert kurzer Zeit “1000 echte Fans” zu kriegen, sind Gift für Fanseiten. Sie sind nicht echt. Meistens aus Russland. Und vor allem: sie werden nie mit den Inhalten interagieren.

Sie interagieren nicht = die Feedback-Rate geht gegen 0% = Facebook “tötet” die Fansetie.

Der EdgeRank-Tod: kann man wieder raus?

Praktisch nur mit Umdenken und Geld-Einsatz. Wer von Facebook als uninteressant eingestuft wurde, wird nicht mehr gesehen, das heisst: die Feedbackrate geht gegen 0%. Man kann dann versuchen, mittels “Sponsored Stories” – einer Anzeigenform in Facebook – diese Interaktionen wieder hochzuziehen, gibt aber für jede Interaktion Geld aus.

Ich höre es oft: Chefs wollen Fan-Zahlen sehen. Den Chefs muss man aber das massive Problem erklären, das man sich einbrockt, wenn man schnell ein paar Russen als Fans gewinnt.

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Über Sam Steiner

Sam Steiner beschäftigt sich mit Trends im Internet, der Veränderung des Nutzerverhaltens und Chancen/Gefahren für Unternehmen in der Schweiz. Er hat 12 Jahre in Webagenturen gearbeitet und diverse Online-Communitys aufgebaut. Sam Steiner in Google+.
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